Heilbronner Stimme vom 26.03.2015

Höchst amĂŒsante Nerzomanie
Amateurtheater Maskerade begeistert in der Ballei mit dem StĂŒck “Jetzt nicht, Liebling”
von Stefanie PfÀffle

Neckarsulm - Eigentlich ist Arnold Crouch (Ralf Andraschek) ein eher zurĂŒckhaltender, gar tugendhafter Mann, der sich nicht einmal traut, SekretĂ€rin Ambrosine Tipdale (Sandra Wakunda) seine GefĂŒhle zu gestehen. Sein Kompagnon Gilbert Bodley (Harald Fabriz) ist genau das Gegenteil, ein zwar verheirateter, aber nicht treuer Mann, sondern ein Hallodri. Aber an diesem Tag, da zieht Bodley den schusseligen Crouch mit in sein Lotterleben und das auf zumindest fĂŒr den Betrachter Ă€ußerst amĂŒsante Weise. Das Theater Maskerade begeistert am Wochenende gleich zwei Mal das Publikum in der Neckarsulmer Ballei mit Spielfreude und britischen Komödie “Jetzt nicht, Liebling”.

PelzgeschĂ€ft - Nein, es ist wahrlich kein StĂŒck fĂŒr Peta-AnhĂ€nger, denn Crouch ist KĂŒrschner, sein neuester Wildnerz sein ganzer Stolz. Die ganze BĂŒhne - das StĂŒck spielt im VorfĂŒhrraum des PelzgeschĂ€fts Bodley, Bodley und Crouch - ist voll mit FellmĂ€nteln und -jacken. “Das sind alles alte Pelze, die wir ĂŒber private Kontakte bei Freunden und Bekannten zusammengetragen haben”, erzĂ€hlt Andraschek. Seit September hat das Ensemble in der Kreissparkasse Heilbronn fĂŒr die drei Auftritte geprobt. Der letzte ist am kommenden Samstag in der Schwaigerner Frizhalle. Schon seit 1981 gibt es das Amateurtheater, und in dieser Zeit sind zwischen 60 und 70 Darsteller dabei gewesen. Seit rund 20 Jahren bereits ist es aber eine Stammbesetzung rund um Hauptakteur Andraschek. “Wir wollen immer gute Komödien, aber keine Schenkelklopfer spielen”, erlĂ€utert Regisseurin Gabriela Meyer.
Das ist ihnen auch mit ihrem Lieblingsautor John Chapman gelungen. Es ist fast ein gordischer Knoten, der da geknĂŒpft wird. Bodley will seiner Geliebten Janie McMichael (Claudia von Langen-KĂŒhner) einen Nerzmantel kaufen. Damit deren Ehemann Harry (Harald Frohberg) das nicht mitbekommt, soll dieser ihn fĂŒr einen SchnĂ€ppchenpreis erwerben und Bodley legt den Rest des 5000-Pfund-StĂŒcks drauf. Doch der Göttergatte ist zu geizig, Janie will aber unbedingt ihren Mantel haben und zieht sich als Druckmittel gegenĂŒber ihrem Geliebten sogar aus, ganz geschickt gelöst mit dem RĂŒcken zum Publikum.

Verwirrung - Als dann auch noch Harrys Geliebte Sue (Rositta Heil) und Gilberts Frau Charlet (Bettina Marschall) auftauchen, zwischendurch immer wieder ein KapitĂ€nsehepaar (Raffaele Contu und Birgit Koch) Verwirrung stiftet, zweifelt Gilbert langsam an seinem Verstand, und Arnold lĂ€uft zur Höchstform auf. “Das sind die ganzen Felle, das fĂŒhrt zur Nerzomanie!”
Er erfindet eine Ausrede nach der anderen, pikt seinen Kompagnon mit bissig-ironischen Kommentaren und beeindruckt damit sogar seine geliebte Ambrosine. FĂŒr das Publikum ist die Mischung aus Wortwitz und Slapstickmomenten ein Riesenspaß, und es entlohnt die Darsteller mit lang anhaltendem Applaus.

 

Heilbronner Stimme vom 19.03.2014

Verwirrspiel voller Turbulenzen
Theater Maskerade zeigt “Ein Bett voller GĂ€ste” in der Ballei

von Ute PlĂŒckthun

Neckarsulm - Die Zuschauer im bis auf den letzten Platz besetzten Kultursaal hatten gut lachen: Wortwitzig, turbulent, situationskomisch und ein kleines bisschen frivol prĂ€sentierte sich “Ein Bett voller GĂ€ste”, das die Theatergruppe Maskerade gleich zweimal in der Neckarsulmer Ballei auf die BĂŒhne brachte.

Bruchbude - Der Schwank in zwei Akten des Londoners Dave Freeman in deutscher Übersetzung von Wolfgang Spier hat es in sich: ein Chefportier (Harald Frohberg), der als ehemaliger FremdenlegionĂ€r am liebsten die Hand aufhĂ€lt und das eigene Hotel als Bruchbude bezeichnet. Eine Managerin (Birgit Koch), die mit dieser Bruchbude und der dazugehörigen Fischvergiftung aller GĂ€ste mehr als ĂŒberfordert ist. Dazu die Ehepaare Brenda und Stanley Parker (Bettina Marschall und Ralf Andraschek) sowie Helga und Claude Philby (Sandra Wakunda und Harald Fabriz): Alle vier unwissentlich einquartiert in einem Zimmer und dazu die eindeutig zweideutigen Simone (Claudia von Langen-KĂŒhner), die mit herrlich französischem Akzent und in luftiger Kleidung nicht nur einen Herrn fast um den Verstand bringt. Irrungen und Wirrungen sind vorprogrammiert, zumal der eine nichts vom Spontanbesuch der anderen wissen soll, sich dafĂŒr mit der Geliebten verabredet hat. Klemmende SchranktĂŒren auf der BĂŒhne und Abseilaktionen im Off, die mit einem herausgerissenen Heizkörper und einem unfreiwilligen Eva-KostĂŒm enden, tun ein Übriges. Da kann es “passieren, dass wir in Situationen kommen, die uns ein ganz kleines bisschen in einem schlechten Licht dastehen lassen”, findet Claude. Stanley bringt es aber auf den Punkt: “Sie stehen aber im Flutlicht”.

Leistung - Hervorragend die Leistungen der Laien, die unter Regie von Gabriela Meyer Mimik, Gestik und sprachliche Nuancen fein herausgearbeitet haben. Als auch noch Gladys van Laken als imaginĂ€re Geliebte ins Spiel kommt und Stanley im Stankt-Wolfgang-KostĂŒm angekokelt die Flucht ergreift, kann man seinen Wunsch verstehen: “WĂ€ren wir doch nur nach Brighton gefahren, da kann man sich höchstens die Hand beim Kegeln verstauchen.” Dass sie es nicht getan haben, dankte das Publikum mit reichlich Applaus.

 

Heilbronner Stimme vom 06.03.2012

Verwirrspiel mit Model und Spartacus
Theatergruppe Maskerade amĂŒsiert Publikum mit Schwank in drei Akten
von Ute PlĂŒckthun

Neckarsulm – Eine Zeitungsannonce ist nĂŒtzlich und hilfreich. Werden jedoch gleich mehrere mit unterschiedlichen Inhalten unter der selben Adresse aufgegeben, kann es zu den seltsamsten Verwicklungen kommen. So geschehen gleich zweimal wĂ€hrend der AuffĂŒhrungen der Theatergruppe Maskerade auf der BĂŒhne in der Neckarsulmer Ballei: Bei der Komödie „Hier sind Sie richtig“ aus der Feder von Marc Camoletti kamen die bestens informierten Zuschauer samt Lachmuskeln voll auf ihre Kosten. Ahnungslos und wie im falschen Film fĂŒhlten sich dagegen die acht Akteure, die zum VergnĂŒgen der Besucher Verwicklungen und Verwirrungen zu ĂŒberstehen hatten.

AbkĂŒrzungen „V.S.F.“; Eine AbkĂŒrzung, vier mögliche Bedeutungen. Ob als Vorbedingung schöne FĂŒĂŸe oder solide Finanzen gefragt sind, die Vorbereitung sicherster Fingerfertigkeit versprochen wird oder eine Vorliebe sentimentaler Filme erwĂŒnscht ist, erweist sich als gewichtiger Unterschied.

Zumal, wenn vier selbstbewusste Frauen unter einem Dach leben: Ex-BĂŒhnendiva Georgette (ausdrucksstark: Claudia von Langen-KĂŒhner), die von SchĂ€ferstĂŒndchen auf dem Land trĂ€umt und einen Mieter fĂŒr ihre Wohnung in der Stadt sucht. Malerin Jacqueline (herrlich ĂŒberkandidelt: Rositta Heil), die ein mĂ€nnliches Model benötigt. Musikerin Janine (gekonnt bieder: Birgit Koch), die auf einen KlavierschĂŒler hofft. Und schließlich DienstmĂ€dchen Berthe (sehr kokett: Annette Klempp), das sich einen heiratsfĂ€higen Mann herbeisehnt.

„Ich komme wegen der Annonce in der Zeitung“: NatĂŒrlich lautet die Erwiderung darauf immer gleich, die aberwitzige Verwechslungen programmiert: „Hier sind sie richtig“. Dass das nicht immer so ganz stimmt und aberwitzige MissverstĂ€ndnisse auslöst, schwant den Damen und Herren erst mit der Zeit: Etwa, wenn Körpermodel Spartacus, der seine Muskeln am liebsten von Kleidern vollstĂ€ndig befreit spielen lĂ€sst und dabei erst an die Klavierlehrerin und anschließend die Vermieterin selbst gerĂ€t. Ihm verleiht Andreas Adam ein wunderbar protziges Auftreten samt gekonnt exzessivem Mienenspiel.

Bernard dagegen, den Ralf Andraschek glaubwĂŒrdig die Wandlung vom harmlos-biederen Mieter zum stĂŒrmischen Gelegenheitsliebhaber durchleben lĂ€sst, bekommt es mit der forschen Malerin zu tun, wĂ€hrend der gekonnt entsetzte Heiratskandidat Bertrand (Harald Fabriz) die alternde Hausherrin als Auftraggeberin der Annonce interpretiert, bevor er sturzbetrunken doch noch im richtigen Bett landet. MusikschĂŒler Jean, der sich als letzter ins Chaos klingelt und ĂŒberzeugend von Harald Frohberg dargestellt wird, muss sich gar als freigelassener Sklave mit Toga und BĂŒrstenhelm bewĂ€hren.

Unterhosen „Das ist keine Wohnung, das ist eine Umkleidekabine“, stellt DienstmĂ€dchen Berthe zurecht fest. Schließlich stehen am Ende alle MĂ€nner in Unterhosen da: spartanisch goldglitzernd, hĂŒbsch kariert oder baumwollen-blĂŒtenweiß. Bevor sie sich selbst des Kleides und Unterrocks entledigt: „Sie sind ja gar keine Frau, Sie sind eine Zwiebel“, entfĂ€hrt es dem erstaunten Spartacus durchaus anerkennend. Ihr gelingt es schließlich , den Knoten an Verwirrungen zu lösen. Von den Zuschauern wurden die engagierten und gekonnten AuffĂŒhrungen mit krĂ€ftigem Applaus belohnt.

Das Ensemble, das im allgemeinen aus ungefÀhr 15 bis 20 Personen besteht, erreicht mit zwei bis maximal vier Vorstellungen im Jahr zwischen 700 und 1000 Zuschauer. Maskerade ist in der Regel selbst Veranstalter, kann aber auch engagiert werden.

 

Heilbronner Stimme vom 21.03.2011

Jeder ist ganz viele, aber nie er selbst
StĂŒrmischer Applaus fĂŒr gelungene Inszenierung - Neues StĂŒck von Maskerade
von Ulrike Maushake

Neckarsulm - Manche VorgĂ€nge hier verstehe ich nicht", sagt Mrs. Cowper zu Mr. Thompson. Das ist auch wirklich nicht einfach. Mr. Thompson nĂ€mlich ist eigentlich Eric Swan, von dem manche glauben, er sei Uncle George. Und der gehörlose Klavierstimmer Dickie William ist im Prinzip sein großer Bruder, der SchuhverkĂ€ufer Norman Bassett. Dass man diesen zudem fĂŒr den eigenen Ziehvater mĂŒtterlicherseits hĂ€lt, macht die Sache nicht einfacher. WĂ€hrend der wirkliche Uncle George scheinbar tot auf dem Sofa "rumgammelt" und gleichzeitig als toter HolzfĂ€ller, toter SchuhverkĂ€ufer und toter Eric Swan fungiert. Der Eric Swan, der sich als Mr. Thompson ausgibt, den manche aber fĂŒr Uncle George halten.

Chaos

Im Leben des Eric Swan ist tatsĂ€chlich Chaos ausgebrochen. Seit er arbeitslos wurde, betreibt er Sozialbetrug in großem Stil. Eine ganze Heerschar BedĂŒrftiger hat er erfunden, fĂŒr die er alle möglichen Arten von UnterstĂŒtzung kassierte: Alters-, Invaliden- und Witwenrente, Schlechtwetter-, Arbeitslosen- und Wiedereingliederungsgeld, KrankenkostenrĂŒckerstattung. Nun wĂ€chst ihm die Sache ĂŒber den Kopf, zumal ein Sozialbeamter hereinschneit, um mal ein bisschen nach dem Rechten zu sehen. Wie Eric nun versucht, sich mit Hilfe von Uncle George und dem Untermieter Norman aus der Situation heraus zu lavieren, wie sich das LĂŒgenkarussell immer schneller dreht und zunehmend unrund, das verfolgte das Premierenpublikum am Samstagabend in der Neckarsulmer Ballei mit allergrĂ¶ĂŸtem VergnĂŒgen. Kein Auge blieb trocken, bei "Cash - und ewig rauschen die Gelder" vom britischen Autor Michael Cooney, aufgefĂŒhrt vom Laientheater Maskerade unter der Regie von Gabriela Meyer.

Aberwitzige LĂŒgen und MissverstĂ€ndnisse, turbulente Szenen, Rollentausch. Jeder ist ganz viele, aber nie er selbst. Sogar der Baum, aus dem der HolzfĂ€ller stĂŒrzt, muss sich verwandeln. In einen Lederbaum. Derweil spitzt sich die Situation konsequent und unbarmherzig zu, bis Eric Swan, endgĂŒltig in die Enge getrieben, ein umfassendes GestĂ€ndnis ablegt: "LederbĂ€ume gibt es nicht." StĂŒrmischer Applaus fĂŒr die gelungene Inszenierung zum 30. Geburtstag von Maskerade. Und fĂŒr die ĂŒberzeugende Leistung der Darsteller und ihr großes Talent fĂŒr das Komische. Andreas Adam zum Beispiel, der als verschnarchter Untermieter Norman um sein Leben lĂŒgt. Ralf Andraschek, als Eric Swan, so durchtrieben wie harmlos. Freundlich penetrant, Harald Fabriz als Sozialbeamter Jenkins. Und Harald Frohberg, der als smarter Uncle George besonders die Herzen des weiblichen Publikums eroberte.

Flittchen Sandra Wakunda war Sally Chessington, der hilfreiche Engel, als Flittchen beschimpft. Rositta Heil war als Mrs. Cowper eine Maggie Thatcher der SozialĂ€mter. Und Birgit Koch, die Partnertherapeutin, die stĂ€ndig angeschnauzt wurde, von Claudia Langen-KĂŒhner als Linda Swan am Rande des Nervenzusammenbruchs.

Die Theatergruppe Maskerade bietet am Samstag, 2. April, in der Frizhalle in Schwaigern eine zweite AuffĂŒhrung des aktuellen StĂŒcks. Einlass ist um 18.30 Uhr, Beginn um 19.30 Uhr.


 

Heilbronner Stimme vom 16.03.2010

Chaos am Hochzeitsmorgen
Theatergruppe Maskerade begeistert in der Ballei - Samstag auch in Schwaigern zu sehen
von Stefanie PfÀffle

Ein halluzinierender Brautvater, ein verwirrter Opa und ein vollkommen verĂ€rgerter Schwiegervater in spe - nein, so hat sich Judy Westerby (Sandra Wakunda) die letzten Stunden vor ihrer Trauung nicht vorgestellt. Was so kurz vor knapp noch alles schief gehen kann, zumindest wenn man die Fantasie eines englischen Autorenduos hernimmt, zeigte die UnterlĂ€nder Theatergruppe Maskerade jetzt höchst amĂŒsant mit dem StĂŒck “Und das am Hochzeitsmorgen” von Ray Cooney und John Chapman in der Neckarsulmer Ballei.

Schwarze Socken Die Situation: Es ist der Morgen von Judys Hochzeit mit Nicholas Babcock. WĂ€hrend sie bereits ihr tĂŒlliges Kleid trĂ€gt, irrt ihr viel beschĂ€ftigter Vater (Ralf Andraschek) noch durch London, um die letzten Ansteckblumen und schwarze Socken fĂŒr Dr. Gerald Drimmond, Judys Opa (Harald Fabriz), zu besorgen. Das mit den Socken ist einer der vielen immer wieder kehrenden Witze des StĂŒcks. Mal trĂ€gt er keine, dann werden sie geringelt und blau, bis er schließlich mit einem blauen und einem grĂŒnen Strumpf ĂŒber die BĂŒhne rennt. Zum Schießen ist es, wenn Fabriz in gelungener Darbietung leicht verwirrt Namen verwechselt und sich den noch königlich ĂŒber die Eskapaden seines Schwiegersohnes amĂŒsiert. Der Sieht nĂ€mlich nach einem Schlag auf den Kopf plötzlich ein Charlestongirl namens Polly Perkins (Annette Moll), die lebendig gewordene Schaufensterpuppe, die er fĂŒr seine BĂŒstenhalterkampagne verwenden wollte. Die flirtet so heftig mit ihm, dass er sich Hals ĂŒber Kopf in seine Fantasie verknallt. Überzeugend, wie Andraschek zwar einerseits immer verrĂŒckter, sein Gesichtsausdruck immer seliger wird.
Leider hat das StĂŒck an dieser Stelle einige LĂ€ngen. Hier bewegt sich die Geschichte lange nicht vorwĂ€rts, auch wenn die Darsteller mit noch so viel Engagement und Witz dagegen anspielen. Erst beim zweiten Schlag kommt wieder Leben in die Bude und eine glĂŒckliche Hochzeit rĂŒck in weite Ferne.

Minenspiel Ein Hingucker ist Andreas Adam als Timothys GeschĂ€ftspartner Bill Shorter. Sein exzessives Minenspiel erinnert an die alten Schwarz-Weiß-Klassiker mit Peter Alexander und Co. Zu Lachen gibt es jedenfalls reichlich bei dieser Inszenierung und den Szenen- und Schlussapplaus haben sich die Darsteller redlich verdient.

 

Heilbronner Stimme im MĂ€rz 2008

Butler Karl ist sein Geld wert
“Maskerade” zeigt in der Ballei, was ambitioniertes Laientheater in der Kulturregion Heilbronn leistet
von Claudia Schönberger

Neckarsulm - Ein sturzbetrunkener Hauptdarsteller, ein Modellkleid in x-facher Ausfertigung, mehrere Liebespaare und ein Butler, der die FĂ€den zieht: Das waren die Zutaten fĂŒr den Ă€ußerst vergnĂŒglichen Auftakt des Theaterprojekts der Kulturregion Heilbronn mit dem StĂŒck „Drei Tanten fĂŒr Charly“.

„Vorhang auf“ hieß es am Samstagabend in der Neckarsulmer Ballei fĂŒr das Ensemble „Maskerade“ der Kreissparkasse Heilbronn, das seit 26 Jahren in wechselnder Besetzung auf der BĂŒhne steht. 80 weitere Auftritte von Laientheatergruppen aus Stadt- und Landkreis sowie Hohenlohe werden 2008 noch folgen.

Identifikation „Regional und lokal geprĂ€gte Kunst und Kultur dienen der Identifikation der Menschen mit der Kommune, in der sie leben“, betonte Jagsthausens BĂŒrgermeister und Kulturregions-Vorsitzender, Roland Halter, zur BegrĂŒĂŸung. Und Neckarsulms BĂŒrgermeister Klaus Grabbe bezeichnete „all die, die zur Bereicherung der Kulturszene beitragen“, als EhrengĂ€ste.

Die Lacher auf seiner Seite hatte von Anfang an Charly (Ralf Andraschek). HĂ€tte er in der vorangegangenen Ballnacht nicht so viel getrunken, den Zuschauern wĂ€re etwas entgangen. Sie belohnen ihn immer wieder mit Szenenapplaus. Es ist aber auch zu köstlich, wie er schwankt und lallt. Wie verzweifelt er ist, als ihm klar wird, dass ihn seine Tante Lieselotte (Bettina Wiedmann) in der Nacht dazu gebracht hat, ihm einen Heiratsantrag zu machen, obwohl er doch Jutta (Claudia von Langen KĂŒhner) liebt. Oder wie er am nĂ€chsten Morgen glaubt zu halluzinieren. Denn plötzlich gibt es drei Tanten. Die echte und zwei verkleidete: Charlys etwas naiver Bruder Thomas (Marcel Rieschl), dem seine intrigante Frau Silvia (Annette Moll) eingeredet hat, dass der vermeintliche FremdenlegionĂ€r Willy (Alexander Schmidt), in den sich Tante Lieselotte verliebt hat, ein Erbschleicher ist. Und Frank, der mit der Maskerade erreichen will, dass seine Verlobte Gabi (Sandra Wakunda) einen Job in Charlys und Lieselottes Firma bekommt.

Verwirrung Als auch noch Gabi und Jutta als Charly verkleidet auftauchen, ist die Verwirrung komplett. Ein MissverstĂ€ndnis folgt aufs nĂ€chste. Wie auf den Leib geschneidert ist Andreas Adam die SchlĂŒsselrolle des Butlers Karl, der als einziger weiß, wer wer ist, und sich seine RatschlĂ€ge und sein Schweigen von den Familienmitgliedern teuer bezahlen lĂ€sst. „Ich bin mein Geld wert“, stellt er fest. Auch das Publikum weiß das zu honorieren.

 

Heilbronner Stimme vom 13.03.2007

“Acht starke Frauen haben die Hosen an”
von Barbara Barth

Theatergruppe Maskerade gastierte zwei Mal mit einer Komödie in der Ballei

Die Frauen vom Chor „CĂ€cilia“ schmeißen auch die Beine. In der Ballei war am Wochenende bei

Pralle Frauenpower war da am Wochenende auf der BĂŒhne in der Neckarsulmer Ballei versammelt: Kein einziger Mann durfte sich bei der neuesten Produktion der Theatergruppe Maskerade blicken lassen. „Es tönen die Lieder“ war fest in weiblicher Hand.

Maskerade grĂŒndete sich vor 26 Jahren aus Angestellten der Kreissparkasse Heilbronn. Noch immer rekrutiert sich das Ensemble aus Mitarbeitern und Ehemaligen. Jedes Jahr fĂŒhren sie ein meist humorvolles StĂŒck auf. Ein starkes halbes Jahr wird ein Mal wöchentlich geprobt, ehe das neue Theaterkind das Licht der Welt erblickt. Diesmal also „Es tönen die Lieder“, eine dreiaktige Komödie von Alexandra Kiening.

Grundsatzfrage Ein kleines Dorf steht Kopf. Hajo kehrt heim. Hans-Joachim ist vor vielen Jahren in die große weite Welt hinausgegangen und ein berĂŒhmter Dirigent geworden. Nun zieht es ihn zurĂŒck in die Heimat. Da wollen sich die Dörfler nicht lumpen lassen und ihrem großen Sohn einen wĂŒrdigen Empfang bereiten. Doch mit welchem Programm? Darf der MĂ€nnergesangverein „Hubertus“ oder der Frauensingkreis „CĂ€cilia“ oder vielleicht ganz jemand anderes zum Willkommensgruß anheben? Aus dieser fundamentalen Grundsatzfrage entspinnt sich ein zweistĂŒndiges Hin und Her, bei dem letztendlich - wen wundert’s - das weibliche Geschlecht die Hosen anhat.

Acht Frauen zeigen den MĂ€nnern, wo der Bartel den Moscht holt. Die Lehrerin und die Bankiersgattin samt Tochter und Mutter, die Arztfrau, die Boutique-Besitzerin, die Physiotherapeutin und die Metzgersfrau wollen mehr als das brave Volkslied „Im schönsten Wiesengrunde“ zum Besten geben. Sie „schneidern“ ein Lied fĂŒr Hajo, ein Medley aus verschiedenen Musiken, eigenem Text, Cancan-Fummeln und einer Choreografie. Ihre SchwĂ€chen im Gesang bĂŒgeln sie mit OriginalitĂ€t aus. Damit schießen sie den Vogel ab, beim Dorfempfang ebenso wie bei den rund 400 Besuchern am Samstag und Sonntag in der Ballei.

Innige Abneigung Bis es soweit ist, fliegen die Fetzen. Die acht Frauen der „CĂ€cilia“ sind sich teilweise in inniger Abneigung verbunden. Wie das Leben eben so spielt. Wenn’s gar zu streitsĂŒchtig wird, schmeißt Oma Adele die Beine, singt „Kalinka“ und hat die Lacher auf ihrer Seite.

Alle bekommen ihr Fett weg: Die MÀnner, die ob der EigenmÀchtigkeit ihrer singenden Ehefrauen angesÀuert sind und die fest gemauerten Hierarchien wanken sehen.

Die trottelige Kommunalpolitik und ihr BĂŒrgermeister, der keine „Horde wild gewordener Sumpfschnepfen“ auftreten lassen will. Doch Hans-Joachim, dem unsichtbar bleibenden, aber „unheimlich gut aussehenden“ Helden gefĂ€llt, was die Frauen auf die Beine stellen. Und Chorleiterin Angela bekommt nach 19 Jahren endlich ihre heiße Jugendliebe Hajo. Ist das Leben nicht wunderbar?

 

Heilbronner Stimme vom 15.03.2006

“Ohne Frau lĂ€uft der Laden schlecht”
von Waltraud Langer

Wie teilt man den Familiendackel nach einer Scheidung und was sollen die italienischen Hemden neben den deutschen BockwĂŒrsten im KĂŒhlschrank? Mit diesen und anderen schwerwiegenden Fragen sind die Figuren im TheaterstĂŒck: “Liebe schlĂ€gt auf den Magen” von Peter Laubenstein konfrontiert.

In der voll besetzten Neckarsulmer Ballei ulkte sich die Theatergruppe Maskerade durch ein BoulevardstĂŒck mit einigen witzigen Sprachspielchen; sie beging damit das 25jĂ€hrige Bestehen.
Vom Band braust “Also sprach Zarathustra”, etwas Schicksalhaftes muss passiert sein. Ins propere Wohnzimmer tritt der Hausherr frisch vom Scheidungstermin und schlingt sich die Krawatte um die Gurgel. Das Telefon klingelt. “Irene gehst du mal” ? Irene ist aber schon lĂ€ngst bei Marco, dem jungen Italo-Lover und Johannes Pfeiffer (mit sonorer Stimme Ralf Andraschek) hadert gewaltig mit seinem Dasein als Neu-Single.
Zu Hilfe kommen ihm seine Kinder Jens (quirlig Raffaele Contu) und Silke (frech Rositta Heil). Nicht ganz uneigennĂŒtzig, denn Jens sucht einen ruhigen Platz fĂŒr seine Spiele mit der sexy Susi (komisch Claudia von Langen-KĂŒhner) und Silke will ihren Anatomie-Professor - “Gestatten Dr. Mackenroth” - (herrlich hölzern Harald Fabriz) ebendort von ihrer eigenen Anatomie ĂŒberzeugen. Mackenroth hat es mehr mit der seriösen Wissenschaft und deponiert in Pfeiffers Wohnzimmer KnochengerĂŒst Hugo als Anschauungsmaterial.
Komplikationen sind vorprogrammiert. “Ich werde dich bemuttern, verspricht Sohn Jens seinem Vater, aber in Ermangelung der Hausfrau macht sich bald der Schlendrian breit. Kreuz und quer kugeln Flaschen, auf dem Boden tĂŒrmt sich die WĂ€sche und der Goldfisch findet sich im Schonwaschgang wieder.
Der verlassene Ehemann verschmĂ€ht die klebrigen Spaghetti seines Sohnes und geht zum Italiener. Von dort kommt er mit Beatrice Belladonna (Sandra Hofheinz) zurĂŒck: “Ich hab mir gedacht, da nehmÂŽ ich doch den Nachtisch gleich mit nach Hause”. Der Haken: Sie besteht auf “si-si” wĂ€hrend er gerne auf “Du” gemacht hĂ€tte. Ein Versöhnungs- und Kennenlernessen geht ebenso in die Hose wie der Versuch der Kinder, per Anzeige eine Frau fĂŒr ihren Vater zu finden. Zwar streiten sich gleicht zwei Bewerberinnen (Cornelia Jandt, Bettina Wiedmann) um den Hausherrn, aber kriegen tut ihn keine. “Ich liebe meine neue Freiheit und meine neue Steuerklasse”, sagt er:
Mit der Freiheit ist’s aber trotzdem bald vorbei: Irene (resolut Birgit Koch) kommt zurĂŒck. Den Marco hat sie abgeschrieben. “Hat er sich denn amortisiert?” wird sie gefragt: Wie dem auch sei, Irene will ihren Alten wieder, weil der Rheuma und Arthrose nicht fĂŒr eine Musikrichtung hĂ€lt und ihr verspricht, in Zukunft die Socken im Bett auszuziehen. Ein gewaltiges Textpensum hatten die Darsteller zu bewĂ€ltigen und brachten es routiniert auf die BĂŒhne. “Wir haben seit Oktober einmal pro Woche geĂŒbt”, erzĂ€hlt Gabriela Meyer, die seit vielen Jahren bei den Amateurmimen Regie fĂŒhrt. “Wir sind fast alle Banker”, erklĂ€rt der Teamleiter Ralf Andraschek eine Besonderheit der Truppe, die aus einer Abschlussfeier der Kreissparkassen-Azubis hervorgegangen ist.
Auf Schautafeln, die im Foyer aus Anlass des JubilĂ€ums aufgebaut waren, informierten sich die Zuschauer ĂŒber die StĂŒcke der letzten Jahre. Das diesjĂ€hrige StĂŒck ging drei Mal ĂŒber die BĂŒhne - in zwei öffentlichen AuffĂŒhrungen und ein Mal als interne Veranstaltung zum 150-jĂ€hrigen Bestehen der Sparkasse.

 

Heilbronner Stimme vom 04.04.2005

Als Leiche hat man es nicht leicht.
Theatergruppe Maskerade am 12.03.2005 mit "Meine Leiche, deine Leiche" in Lauffen
von Ulrike Maushake:

Mit Greifenbrecht ist es vorbei. Seine WutausbrĂŒche und sein Sarkasmus haben im ersten Akt doch sehr an den Nerven gezerrt.

"Er musste sterben!" findet auch das Publikum, völlig einverstanden mit den Maßnahmen, die Buchhalter, Ehefrau, Tochter, Schwester und Kompagnon getroffen haben, um sich seiner zu entledigen: mit Erdbeerkonzentrat - der Mann war nĂ€mlich Allergiker. Um sicher zu gehen, haben sie mit Schlaftabletten, Rattengift und Zyankali seinen Schlaftrunk getrĂŒbt. Und damit auch ihr Gewissen.

Das Ensemble der Theatergruppe Maskerade feiert in der voll besetzten Lauffener Stadthalle mit dem StĂŒck "Meine Leiche, deine Leiche" Premiere. Das Publikum lacht TrĂ€nen ĂŒber die Kriminalkomödie von Christine Steinwasser. Ein Schauspiel mit Sprachwitz, sicherem GespĂŒr fĂŒr Charaktere und konsequenter Steigerung der Komik. Das StĂŒck wirkt wie fĂŒr das Ensemble maßgeschneidert. Den Mann umzubringen war recht unkompliziert, als Leiche macht er nur Ärger. Raffaele Contu, der Greifenbrecht spielt, hat es nicht leicht als Leiche. Im Verlauf des Abends wird er in Teppiche gerollt, in Kisten verpackt und wieder rausgezerrt. Er muss verschwinden, auftauchen und wieder verschwinden. Nur gut, dass gelegentlich jemand aus dem Publikum den Damen beim Leichentransport behilflich ist. Sehr witzig ist die Szene, in der der Buchhalter, dargestellt von Marcel Rieschl, mit dem Toten Marionette spielt und derweil die SekretĂ€rin diesem ihre Liebe gesteht. "Jawohl, Herr Greifenbrecht": Bettina Wiedmann als Marlene Eisendorf ist herrlich betulich und servil. Gelungen spielen auch die beiden Kriminalen vom Schlage Dick und Doof, die im Dunkeln tappen und als HauptverdĂ€chtige die beiden verdĂ€chtigen, die nichts mit dem Mord zu tun haben. Überaus liebenswĂŒrdig ist das Spiel von Ralf Andraschek, als Kriminalassistent Walter Denkste.

Publikumsliebling ist Claudia von Langen-KĂŒhner als dralle, trunksĂŒchtige Hausmeisterin Zensi, die die Leiche im Verlauf des StĂŒckes immer wieder findet und immer wieder verliert. (Heilbronner Stimme vom 11.03.2005)

 

Heilbronner Stimme vom 31.03.2004

“Schadenfreude garantiert den Lacherfolg”
von Ulrike Kieser-Hess:

In Onkel Ottos Haus wollte wohl keiner der Besucher in der Lauffener Stadthalle stecken. Denn der reiche Privatier, der auf Abenteuersuche ging, und das in einer angeblichen “Irrenanstalt”, wurde ganz schön gebeutelt.
Die Theatergruppe “Maskerade” hatte sich der Wilfried Reinehr-Bearbeitung des alten Themas aus der “Pension Schöller” theatralisch angenommen und erzielte damit einen großen Lacherfolg. Unter dem Motto “Einer spinnt immer” ging die Posse am Samstagabend in drei Akten ĂŒber die Bohne - temporeich, witzig und ein wenig frivol.
Um seinem Onkel Otto dessen lang gehegten Wunsch zu erfĂŒllen, endlich mal einen “Irrenanstalt” von innen zu sehen, beschließen sein Neffe Ottfried und dessen Freundin Siglinde, ihn einfach mal in der Pension von Tante Lieselotte unterzubringen, wohnen dort doch ihrer Meinung nach genug “VerrĂŒckte”. Da ist zum Beispiel der Major der Heilsarmee, der nicht nur imaginĂ€re MilitĂ€rorchester dirigiert, sondern auch ein ganz besonderes Faible fĂŒr Duelle hat, “mit Pistolen und zehn Schritt Distanz”.
Oder die aufdringliche Schriftstellerin Christine Frank mit ihrem angeblich “rein beruflichen Interesse” an allen Mitbewohnern, besonders den mĂ€nnlichen. Aber die Witwe Ria Baleno, die Hausbesitzerin Florence Wipperling und ihr homosexueller Bruder Detlef machen ihr mit ihren eigenen AnsprĂŒchen das Leben schwer.
Auch Julius Ludwig, der Weltreisende, oder Ladislaus Locke, der Neffe, der gerne Schauspieler werden möchte, aber bei einer Liebesszene lein “L” verloren hat, vervollstĂ€ndigen die illustre Gesellschaft der spleenigen “Normalen”. Ihr Verhalten wirkt durch die “VerrĂŒcktenbrille” von Otto allerdings schon sehr wunderlich und durchgeknallt. Der Onkel hat dann auch bald nur noch einen Wunsch: “Holt mich hier raus.”
Dass ihn die “Irren” auch in seinem normalen Leben mit Tante Lieselotte besuchen, treibt die Posseneskalation auf die Spitze und Onkel Otto fast in den Wahnsinn.
Tempo und Wortwitz sind gefragt bei dieser Komödie ĂŒber die kleinen und großen SchwĂ€chen und Eitelkeiten der menschlichen Spezies Die Maskerade-Darsteller unter der Regie von Gabriela Meyer setzten gekonnt auf diese zwei Elemente und jagten die Gags nur so ĂŒber die Stadthallen-BĂŒhne.
KrĂ€ftig unterstĂŒtzt wurden sie dabei vom Publikum. Das wusste nĂ€mlich meist schon im Voraus, was dem armen Onkel droht. Aber da Schadenfreude ja bekanntlich die schönste Freude ist, war der Heiterkeitserfolg garantiert. Und schließlich war der gelangweilte Stenz ja irgendwie auch selber an allem schuld.
Die Mimen in Lauffen zogen alle Register des Chargierens und stĂŒrmten mit ungemein viel Spielfreude durch die unendlichen Verwicklungen und Verstrickungen. Wie schnell unsere so genannte und selbst eingeschĂ€tzte NormalitĂ€t, aus einer anderen Sicht betrachtet, zur absoluten LĂ€cherlichkeit oder “VerrĂŒcktheit” koppen kann, zeigt der Schwank mit glasklarer Sicherheit. Der Schauspielerneffe konnte da am Schluss nur noch fatalistisch abwinken: “Das Schickan nimmt jetzt seinen Nauf.” (Heilbronner Stimme)

 

Heilbronner Stimme vom 18.03.2003

Wer zuletzt lacht, lacht..................
von Thomas Bumm

Warum sollte meine Frau aufhören, mich zu lieben, nur weil ich eine andere heirate? Mit Arroganz geht Enddreißiger Phil zur Sache, wenn es um SeitensprĂŒnge geht.

Sein bester Kumpel George muss dann immer die Suppe fĂŒr ihn auslöffeln und Phils Ehefrau dessen Schandtaten beichten. Die Theatergruppe Maskerade hat sich der Verwechslungskomödie „In der Klemme“ von Derek Benfield angenommen. Dank des Einsatzwillens und schauspielerischen Könnens der Darsteller, die alle Laien sind, ist ihnen die Premiere in der Ballei Neckarsulm gelungen.

Hauptakteur Ralf Andraschek alias Phil zeigt, prĂ€zise, mit wunderbar sonorer Stimme und passender Mimik, was passieren kann, wenn einer die Finger einfach nicht von jungen Frauen lĂ€sst. Im Verlaufe der turbulenten Komödie versammeln sich drei Damen in seinem Haus. Und wie in Komödien ĂŒblich, reden diese so geschickt aneinander vorbei und riechen den Braten zu Beginn nicht, dass sich zwei unterhaltsame Stunden voll skurriler Vertuschungsversuche und Lachattacken entwickeln. WĂ€hrend Phil langsam aber sicher dem Wahnsinn nahe kommt, und seine Frau Maggie allmĂ€hlich merkt, dass ihr Mann nicht ganz aufrichtig ist, zieht dessen Freund George, gespielt von Peter Piela, im Hintergrund die FĂ€den und versucht zu retten, was zu retten ist.

Ironie des Schicksals: Am Ende will Phil sich mit seiner Frau versöhnen, diese hat sich aber in seinen Freund verliebt. Was so spielerisch aussieht, bedarf akribischer Vorbereitung, lĂ€sst Regisseurin Gabriela Meyer wissen, die sich seit zehn Jahren der Theatergruppe verschrieben hat. „Wir fangen immer im Oktober an, einmal wöchentlich zu proben.“ Der frenetische Applaus in der Ballei am Ende des Abends entlohnt das Engagement.

 

2002 Der nackte Wahnsinn

 

Heilbronner Stimme im MĂ€rz 2001

Lieber flotte Bigamie als lahme Monotonie
von Stefan Schaal

John Smith hat ein Problem. Eines? Zwei! Problem Nummer eins hört auf den Namen Mary, ist blond und neigt ein wenig zur Hysterie. Sie lebt im Londoner Vorort Wimbledon in der Kenilworth Avenue 25. Problem Nummer zwei heißt Barbara. Die Adresse der resoluten Rothaarigen lautet: Levin Road 42, Stratham, London. Beide Frauen haben den selben Nachnamen. Kein Wunder, schließlich sind sie, ohne es zu ahnen, seit drei Jahren mit dem selben Mann verheiratet. So viel zur Ausgangssituation von Ray Cooneys Boulevard-Komödie „Taxi, Taxi“. Gleich zweimal wurde das muntere StĂŒck von der UnterlĂ€nder Theatergruppe Maskerade in der Neckarsulmer Ballei aufgefĂŒhrt.

Frage: Was ist das Gegenteil von Bigamie? Antwort: Monotonie. Neu ist dieser Witz beileibe nicht, aber durchaus zutreffend auf John Smith (Ralf Andraschek). Der Taxifahrer fĂŒhrt ein aufreibendes Doppelleben. Nur durch disziplinierte Zeiteinteilung gelingt es ihm, seinen jeweiligen ehelichen Verpflichtungen nachzukommen. „Es ist alles eine Frage des Stundenplans“, lautet sein Motto. BegĂŒnstigt werden die UnregelmĂ€ĂŸigkeiten seines Lebenswandels durch unregelmĂ€ĂŸige Arbeitszeiten. Abwechselnd verbringt er die Stunden zwischen FrĂŒh- und SpĂ€tschicht mit einer seiner Gattinnen. Sein falsches Spiel bleibt lange unentdeckt. Als er, von der Handtasche einer alten Dame niedergetreckt, bewusstlos ins Krankenhaus eingeliefert wird, nimmt das VerhĂ€ngnis seinen Lauf. Mary (Rositta Heil) und Barbara (Claudia von Langen-KĂŒhner) vermissen den gemeinsamen Ehemann und schalten die Polizei ein. John, inzwischen aus dem Krankenhaus entlassen, ĂŒbt sich in Schadensbegrenzung. Doch wer lĂŒgt, braucht ein gutes GedĂ€chtnis. Und das hat John offensichtlich nicht. Jeder Versuch, seine beiden Ehen zu verheimlichen, fĂŒhrt ihn immer tiefer ins Chaos. Es kommt wie es kommen muss: Zum turbulenten Finale treffen alle Protagonisten in der Levin Road 42 aufeinander.

 

Heilbronner Stimme vom 16.02.2000

Die Frustration ĂŒber das starke Geschlecht
von Traudel Stocker

spritzig, temporeich und amĂŒsant war das TheaterstĂŒck: „Honigmond” von der Amateurgruppe „Maskerade“ in der vollbesetzten Ballei Neckarsulm. Es geht im „Honigmond“ von Gabriel Barylli mitnichten um einen turbulenten Schwank oder eine groteske Posse, sondern um die Erfahrung dreier Frauen mit dem Geschöpf Mann.

Aber diese einst geliebten Vertreter des starken Geschlechts sind nur telefonisch zugegen. Unaufhörlich prĂ€sent sind sie jedoch in den drastischen Schilderungen ihrer Ex-Frauen oder -Freundinnen, die radikal deren SchwĂ€chen und Fehler bloßlegen. Mehr noch: Sie zerfleischen im Geiste lustvoll die Untugenden ihrer MĂ€nner. Dass sich in den gehĂ€ssigen Anschuldigungen unmerklich ihr eigenes Versagen widerspiegelt, erhöht das ZuschauervergnĂŒgen.

Regisseur Ralf Andraschek und Gabriela Meyer brachten das KunststĂŒck fertig, scharf gezeichnete eigenstĂ€ndige Charakteren zu formen, die eines verbindet: Die Frustration ĂŒber MĂ€nner.

WĂ€hrend die blonde Linda einen kĂŒhl berechnenden Umgang mit den MĂ€nnern pflegt, hĂ€ngt die Christine immer noch romantischen Idealen nach. Ihr Vorbild ist ihre enge Freundin Barbara, die seit sieben Jahren glĂŒcklich mit ihrem Mann verheiratet ist. Angeblich.

Wenig spĂ€ter stĂŒrmt eine junge Frau im Schlamperlook, mehr praktisch als schön, erbost herein: Barbara (Claudia von Langen-KĂŒhner). Bei ihrem wĂŒtenden Ehereport fĂ€llt Christine desillusioniert von einem Entsetzen ins andere. Ohne dass es im StĂŒck erwĂ€hnt wird, merkt der Zuschauer allerdings, dass die Frauen immer noch in ihre MĂ€nner verliebt sind. Trotz – oder wegen? - der Fehler. HĂ€ufiger Szenenapplaus und heftige Lachsalven begleiteten die lebenspralle Schauspielerleistung des talentierten Damentrios.

 

Heilbronner Stimme vom 03.03.1999

Schwarzer Humor erntet LachstĂŒrme
von Traudel Stocker

Selten hat eine TheaterauffĂŒhrung in der Ballei Neckarsulm so viele LachstĂŒrme ausgelöst wie das Lustspiel „Außer Kontrolle“ von Ray Cooney in der Inszenierung der Theatergruppe „Maskerade“, die vor 14 Jahren von Angestellten der Heilbronner Kreissparkasse Heilbronn gegrĂŒndet worden war. Regisseurin Gudrun Ittenbach sorgte fĂŒr eine quicklebendige Szenenfolge, die professionell wirkte.

In dem StĂŒck will der konservative Staatsminister Richard Willey (Ralf Andraschek) statt der zeitgleichen Parlamentsdebatte eine Liebesnacht mit der verheirateten SekretĂ€rin der Opposition Jane Worthington (Angelika Kettner) in der Suite 648 des noblen Westminster-Hotels verbringen.

Der Plan gerĂ€t total außer Kontrolle, als beim ZurĂŒckziehen des Vorhangs eine vom Schiebefenster eingeklemmte Leiche (Thomas Griesfelder) sichtbar wird. O Schreck, welch ein Skandal! Sie muss schleunigst weg. Willey ruft sogleich seinen SekretĂ€r George Pigden (Holger Herrmann) herbei. Er soll ihm beim Leichentransport helfen.

Dem jungen Ensemble war das VergnĂŒgen am britischen Humor in jeder Szene anzumerken. Holger Herrmann, ein Erzkomödiant reinsten Wassers, spielte den gutmĂŒtig naiven SekretĂ€r, der von einer Panne in die andere schlittert, mit solch fassungslosen Entsetzen, dass das rasante Versteckspiel um die Leihe, die sie provisorisch an einem Haken an der Schrank-InnentĂŒr. befestigt haben, zum regelrechten Horrortrip wird.

Egal, wer zur Unzeit das Zimmer betritt, ob der Trinkgeld gierige Zimmerkellner (Johannes Steber), die resolute Hotelmanagerin (Susanne Eberle) oder Ronnie (Michael Schmid), der eifersĂŒchtige Gatte der SekretĂ€rin, stets geraten der Minister und die nur noch mit dem Unterrock bekleidete Jane in ErklĂ€rungsnot. Und immer wieder belasten sie den fassungslosen Pigden mit ihren AusflĂŒchten.

Zahllose Gags und Situationskomik machten diesen ersten temporeichen Akt zum SehvergnĂŒgen. Der zweite Akt mit noch mehr Verwicklungen durch Willeys Frau Pamela (Gabriela Meyer) und Krankenschwester Gladys (Birgit Steinbrenner) wirkte insofern etwas ĂŒberzogen, als die Turbulenz zur Hektik und das Fenster-“Fallbeil“ zu oft strapaziert wurde. Unter Niveau war zudem der verbale Ausrutscher Ronnies ins allzu VulgĂ€re.

 

Heilbronner Stimme vom 26.03.1998

Die KĂ€mpfe des Meisterboxer finden im Gasthaus statt
von Martina BrÀsel

„Nein, diese Mimik“, prustet eine Ă€ltere Dame und ringt sichtlich nach Luft. Es ist Komödienabend in der Ballei in Neckarsulm, die Theatergruppe Maskerade gibt ein Heimspiel vor gut gefĂŒlltem Haus. Kohlrabifrikadellen und GrĂŒnkernsuppe machen nicht satt. Marmeladenfabrikant und „GemĂŒseopfer“ Friedrich Breitenbach hat Hunger. Nur mit der NotlĂŒge, er sei ein berĂŒhmter Boxer, gelingt es ihm, der gesundheitsbewussten KĂŒche seiner Frau zu entgehen. WĂ€hrend seine Gattin ihn im Ring vermutet, trĂ€gt er die wirklichen KĂ€mpfe im Gasthaus aus. TatkrĂ€ftige Hilfe bekommt er von Kompagnon Hecht und Freund Wipperling, der unter der Regie seiner Frau ebenfalls zum leidgeprĂŒften „Blattesser“ wurde.

Dass es tatsĂ€chlich einen berĂŒhmten Boxer gleichen Namens gibt, kommt Breitenbach zunĂ€chst nicht ungelegen, da er so zum bewunderten „Meisterboxer von Deutschland“ wird. Seine Einstellung Ă€ndert sich allerdings, als Tochter Lotte im Zug einen BrĂ€utigam aufgabelt, der sich als der wirkliche Boxer Breitenbach entpuppt und auf Rache sinnt.

Zur Krönung des Chaos gibt Breitenbachs Sohn seinem heimlichen VerhÀltnis, einer temperamentvollen italienischen Tingeltangel-TÀnzerin, ein Eheversprechen. Dass das Techtelmechtel im Verlauf der Geschichte von allen Betroffenen dem ahnungslosen Marmeladenfabrikanten angelastet wird, versteht sich von selbst.

Die Komödie traf den Nerv des Publikums. „Man merkt, dass sie mit Lust und Leidenschaft spielen“, bemerkt eine Zuschauerin. Die meisten Lacher bekam der gehemmte, leidgeprĂŒfte Kanzleirat Wipperling (Michael Thelo). Er wurde von seiner resoluten Ehefrau (Regina Wittmann), die einem Hausdrachen alle Ehre machte, maltrĂ€tiert. Hervorragend auch Claudia von Langen als heißblĂŒtige Italienerin - „eh druckst du mich, dann druckst du dich“. Des Marmeladenfabrikanten (Ralf Andraschek) lustigste Stunde schlug hingegen, als er vor der Faust des wirklichen Boxers (Harald Fabriz) vor Angst schlotternd auf den KĂŒchentisch flĂŒchtete. Seine Frau (Angelika Kettner) ĂŒberzeugte in der Rolle der betrogenen Gattin.

Das Theaterensemble Maskerade ist aus einer Betriebsgruppe vor ĂŒber zehn Jahren entstanden. Seit dem stehen sie nebenberuflich auf den Brettern. Erst seit Oktober proben sie den Meisterboxer, den sie mit nur 14 Proben auf die BĂŒhne brachten.

Die Zuschauer dankten mit donnernden Applaus. Als Zugabe legten die Mimen mit einer Tanzeinlage noch eine kesse Sohle aufs Parkett.

 

Heilbronner Stimme vom 18.03.1997

Zum Duell auf die Piazza di Ballei
von Michaela Adick

Potzblitz: Von ferne schmalzt Elvis Presley sein unverwĂŒstliches: „ItÂŽs now or never“. Langsam tauchen aus den unendlichen Weiten der Ballei Neckarsulm – laut palavernd – zwei Gestalten auf. Klar: Auch die schwarze Lederkluft und der peppige Motorradhelm deuten auf das 18. Jahrhundert und damit auf die Ära des venezianischen Dramatikers Carlo Goldoni.

Und so klebt an dieser Inszenierung von Goldonis: „Der LĂŒgner“ (1751) der Theatergruppe Maskerade das Etikett „nach Motiven von“. Scheut diese nicht davor zurĂŒck, das stark von der Commedia dell ÂŽarte, der italienischen Volkskomödie, beeinflusst ist, kurzerhand zu einem Schwank umzudefinieren. Brigitte Werner entscheidet sich in ihrer voll auf den Spaßfaktor abgestellten Inszenierung dieses Spiels um menschliche Irrungen und Wirrungen fĂŒr ein entschiedenes Sowohl-Als-Auch: Eine Komödie mit tragischen ZĂŒgen, eingekleidet in eine Farce.

Und so wird penetrant an die niedrigen Instinkte im Zuschauer appelliert, der stĂ€ndig ĂŒber – nicht adĂ€quate Kalauer stolpert. Sie wirft der Dottore (in einer Hosenrolle Cornelia Jandt) mit gelehrten Brocken um sich und bittet zum Aderlass. Auf der „venezianischen Piazza di Ballei“ darf sich duelliert werden (ĂŒberzeugend tollkĂŒhn Michael Schmid und Harald Fabriz), wĂ€hrend die Mitgift Sekunden spĂ€ter per Taschenrechner in Telekom-Aktien umgerechnet wird. Was fĂŒr ein irrer Mischmasch, der weder einer Aktualisierung des Stoffes von Goldoni gerecht wird noch auf eine konsequente Verfolgung der beliebten Nonsens-Schiene schließen lĂ€sst, sondern voll von der Situationskomik lebt.

Wenigstens der Arlecchino (Michael Thelo) darf seine Narrenfreiheit voll auskosten. WĂ€hrend die anderen Rollen, ob die des Florindo (Ralf Andraschek), des Gegenspielers des ölig charmanten LĂŒgners und Universalliebhabers Lelio (unentwegt schmierig grinsend: Harald Fabriz) oder der Rosaura oder der Beatrice (Rositta Mödinger und Susanne Herrmann) blass bleiben.

 

Heilbronner Stimme vom MĂ€rz 1996

Von verworrenen VerhÀltnissen
von Anna Felger

Papi ist eigentlich der Schwager, „Mami“ die Schwester, und der „Sohn“ ist Ă€lter als der Vater. Die FamilienverhĂ€ltnisse sind verworren. „Hurra – ein Junge“ heißt der Schwank von Franz Arnold und Ernst Bach, mit dem die Laientheatergruppe Maskerade in der Neckarsulmer Ballei das Publikum zum Lachen brachte. Die Freude ĂŒber den unerwarteten Familienzuwachs hĂ€lt sich allerdings in Grenzen.

Außer dem kecken DienstmĂ€dchen Anna (Susanne Herrmann) verkörperte dieses impertinente Persönchen hervorragend – findet eigentlich niemand in der gutbĂŒrgerlichen Professorenwohnstube Gefallen am VarietĂ©-KĂŒnstler und Sohnemann Fritz Pappenstiel (Michael Thelo). Vor allem den MĂ€nnern macht der Neuankömmling zunĂ€chst zu schaffen: Professor Waldemar Weber, „Papi“ (Ralf Andraschek) und Rechtsanwalt Kurt Wehling (Holger Herrmann) hecken aber sogleich einen Plan aus, der grĂŒndlich misslingt.

Perfekt gelingt den dreien die Darstellung der so unterschiedlichen Charaktere: Andraschek der kreuzbrave, zitternde Ehemann, wird im Verlauf des StĂŒcks immer besser. Die Rolle des Schlawiners und Rechtsanwalts Kurt Wehling scheint Holger Herrmann auf den Leib geschneidert, und Michael Thelo reißt die Zuschauer nicht nur als Frau verkleidet zu Begeisterungsschreien hin.

Die Tollpatschigkeit der Herren schließlich macht die Damen – Henny (Rositta Mödinger), Frau des Professors, ihre Mutter (Regina Wittmann) und Freundin Helga LĂŒders (Birgit Steinbrenner) - , die allesamt gegen die ausdrucksstarken MĂ€nner etwas blass agieren, misstrauisch. Sie wollen Tatsachen sehen, setzen die MĂ€nner damit unter Zugzwang und treiben sie immer tiefer in das LĂŒgengewirr.

Ein solches KnĂ€uel braucht Zeit zur Entwirrung: Nach kurzweiligen, unterhaltsamen 150 Minuten wird der leibliche Vater zufĂ€llig identifiziert, das Weberische EheglĂŒck wiederhergestellt, und der Hallodri Wehling hat in der raffinierten Helga LĂŒders eine ebenbĂŒrtige Partnerin gefunden.

 

Heilbronner Stimme vom MĂ€rz 1995

Herzerfrischend
von Marlene Maurhoff

„Die vertagte Nacht“ - das hört sich genauso verzwickt an, wie die Geschichte dann auch tatsĂ€chlich ist. Unglaublich, was da so alles passiert, wenn ein frisch getrautes Paar (Rositta Mödinger und Harald Fabriz) seine Hochzeitsnacht nicht im bestellten Hotelzimmer verbringen kann; wenn die Schwester der Braut (Birgit Steinbrenner) sich in einen jungen Mann (Holger Herrmann verliebt, der bloß noch rasch seine AffĂ€re mit einer schönen Kabarett-TĂ€nzerin (Susanne Herrmann) beenden möchte, ehe er die neue Liebe heiratet; wenn Brautvater (Ralf Andraschek) und abenteuerlustiger Onkel (Michael Thelo) „helfend“ in das Geschehen eingreifen, und wenn ĂŒber allem die resolute Mama (Regina Wittmann) thront, die unĂŒberhörbar der Meinung ist, alle FĂ€den sicher in der Hand zu haben.

Das erweist sich in beinahe drei Stunden atemberaubend komischen Spiels, ist ein Irrtum.

Selbst sie gerĂ€t in Situationen, die ihr die Sprache verschlagen. Wie der Titel schon ahnen lĂ€sst, spielt sich einiges in der Nacht ab, und somit auch im NegligĂ© oder anderer wenig salonfĂ€higer Kleidung. Ein Grund mehr fĂŒr die Zuschauer in ausverkauften Neckarsulmer Ballei, immer wieder in schallendes GelĂ€chter auszubrechen.

Auch dann, wenn etwa der Ă€ltliche Schwerenöter seiner Angebeteten (Elke Thomas) schmelzend versichert: „Ich möchte der GlĂŒhstrumpf in der Dunkelkammer deines Lebens sein.“ Sie agierten wirklich gekonnt, die Damen und Herren um Michael Thelo, der neben Regie und Marketing auch seine Rolle mit Bravour absolvierte.

Seit die Theatergruppe Maskerade 1980 in Heilbronn gegrĂŒndet wurde, zeigte sie jedes Jahr ein neues StĂŒck, und offensichtlich hat sie damit großen Erfolg. Das liegt unter anderem auch daran, dass auch KostĂŒme, Maske, Technik und BĂŒhnenbild fast professionell sind. Den Schwank in drei Akten von Franz Arnold und Ernst Bach erweckte die Gruppe zu herzerfrischend komischem Leben.

 

Heilbronner Stimme vom 21.02.1994

Schatzi-Bobbes im Schrank
von Silke Amann

Vorhang auf und wir sind mitten in einer Bettszene. Die schwarzen Satin-Kissen bewegen sich heftig und trotz lustvoller GerÀusche wird schnell klar: Das ist ein Liebes- und kein Ehepaar. Rudi Nudelbaum (Ralf Andraschek) spielt von Beginn an mit viel Elan den hektisch-schusseligen Ehemann. Er kann gerade noch verhindern, dass Gattin Adelheid (Susanne Eberle) ihn in flagranti mit der kessen Modeberaterin Hildegard (Susanne Herrmann) erwischt.

Der Schlafzimmer-Schrank spielt dann auch eine tragende Rolle im StĂŒck der Laientheatergruppe „Maskerade“, die schon fast regelmĂ€ĂŸig einmal pro Jahr in der Neckarsulmer Ballei auftritt.

Mal versteckt sich sweet Hildegard darin, dann wieder der coole Lederrocker Charly (Holger Herrmann), der vor lauter Tussis und Torten vergisst, dass er eigentlich Nudelbaum-Tochter Beate (Birgit Steinbrenner) abschleppen, also heiraten will.

In der turbulenten Verwechslungskomödie „KurzschlĂŒsse“ von Frank Ziegler versucht Ehepaar Nudelbaum an das dicke Geld von Erbtante Jacqueline (Cornelia Jandt) zu kommen, indem sie ihr Schlafzimmer zum spenden bedĂŒrftigen Irrenhaus umfunktionieren.

Tochter Beate wird zum „geistig minderbemittelten Waisenkind“, und Erbschleicherin Adelheid rĂ€t ihrem Mann „Tu so, als wĂ€rst Du ein Hund“.

Dummerweise kommt Staubsauger-Vertreter Bodo MĂŒckenmacher (Harald Fabriz) mit seinem Wischiwaschi-Sauger dazwischen. Er und sein GerĂ€t geben jedoch nacheinander den Geist auf. Der eifersĂŒchtige SchlĂ€gertyp Charly haut ihm, sehr zum VergnĂŒgen des Publikums, zwei blau geschminkte Veilchen. Besonders amĂŒsant wird es, als Charly zum neuen „Schatzi-Bobbes“ von Hildegard wird, die mit viel Bein, DekolletĂ© und HĂŒftschwung die Zuschauer in der ausverkauften Ballei entzĂŒckte. Auch Dieter Bohlen alias Michael Thelo in seiner Rolle als gutmĂŒtig, aber nicht trinkfester Kumpel von Rudi Nudelbaum ließ vergessen, dass hier keine Berufsschauspieler auf der BĂŒhne waren.

Zum Schluss der Komödie in drei Akten kam dann die große Überraschung. Tante Jacqueline wird von zwei WĂ€rterinnen abgeholt, denn sie ist aus dem richtigen Irrenhaus entsprungen. Die Schlussworte kamen vom Polizisten (Marcel Rieschl): „Keine reiche Tante, sondern eine arme Irre.“ Danach schloss sich der Vorhang jedoch nur kurz, denn das begeisterte Publikum bedanke sich bei den Schauspielern mit einem krĂ€ftigen Applaus.